
Beim Eurovision Song Contest sind wir getaucht. Roger Federer ist gerade mal noch knapp die Nummer 2. Und unsere Geldhäuser stehen im internationalen Kreuzfeuer. Doch zumindest in einer Disziplin steht die Schweiz weiterhin vor (fast) allen anderen: zürich ist Host-City für den grössten Freestyle-Sportevent Europas. Vom 25. bis zum 27. September kämpfen die Cracks dieses Jahr am Freestyle.ch gegen die Schwerkraft und gegen Knochenbrüche. Und Sie sollten unbedingt hingehen.
Ohne Zweifel vogelfrei. Aber so hatte sich John Lennon das ganze wohl kaum vorgestellt, als er 1977 den Song «Free As A Bird» zu Papier brachte. Im Frühling 1995 erschien der Track schliesslich, digital aufbereitet. Nur wenige Wochen später nahmen ein paar Ausgeflippte den Titel wörtlich: Auf der Zürcher Landiwiese rollten die Cracks aus der blutjungen Inline- und Skateboard-Szene zum internationalen Gipfeltreffen an, flogen auf der Halfpipe wie Kamikaze-Schwalben durch die Lüfte und brachen damit die Lanzen, die den damaligen Randsportarten in Kontinentaleuropa die Eroberung des Mainstreams ermöglicht haben.
Pionierarbeit hat Freestyle.ch für die Szene geleistet – und wohl deshalb die Street Credibility über 14 Jahre bewahrt, während des Wandels vom Underground zum kommerziellen Grossanlass. Denn mit dem Sport hat sich auch der Event weiterentwickelt, Sprünge wurden waghalsiger, Disziplinen verschwanden und neue kamen hinzu. Für Schneehasen bedeutet Freestyle.ch auch 2009 noch den Kickoff zur Pisten-Saison. Und die Asphalt-Akrobaten demonstrieren, welche Switches und Flips sie einen Sommer lang Schürfungen und blaue Flecken gekostet haben. Und wenn wir gleich bei den Kosten sind: Seit 2004, als die Big-Air-Schanze zu krachen drohte, ist Schluss mit Gratiseintritt. Dafür gehört das Feld – respektive die Wiese – seither denjenigen Besuchern, die wirklich nur wegen des Sports kommen. Okay, fast nur. Das ganze Drumherum hat auch seine Reize. Denn zur Weltspitze des Freestyle – Tony Hawk, Gian Simmen, Andy Mac- Donald, Ross Powers und unzählige andere fuhren in Zürich schon um über 100 000 US-Dollar Preisgeld – kommen die passenden Sounds live aus den Boxen, artgerecht geliefert von Punk-, Crossover- und Rap-Formationen mit ebenso globaler Reputation wie das Festival selbst.
Eine Mischung aus Fachmesse und Kinderparadies für Erwachsene (und solche, die es nie werden wollen) stellt die Label-World dar. Über 100 Brands stellen sich dem Publikum vor, laden zu separaten Contests oder zu Fun-Games. Von Boarder-Magazinen über Winterjacken bis zu Ersatzrollen für das Skateboard findet sich fast alles für alle, die selbst die Physik aushebeln und vogelfrei über die Rampen sliden wollen. Geöffnet hat die Label-World bis tief in die Nacht, wenn die Zimt- und andere Sterne am Himmel stehen. |